Paranormal Nord

Beschreib. der sog. Stadtstelle, ein Ort der Mark Brandenburg

by on Oct.09, 2009, under German Pararesearch 2009: Destination Blumenthal - Hintergrund-Informationen

Hiezu macht der Herausgeber, der königl. Staats- und Kabinettsminister, Freiherr von Herzberg, die Anmerkung: „Das Dorf Blumenthal ist nicht mehr vorhanden. Es ist aber gewiß, die wüste Dorf- oder Stadtstelle, deren Ruinen man noch in dem, dem Grafen von Kameke gehörigen Holze der Blumenthal genannt, findet, und welche unter dem Namen der wüsten Stadtstelle Blumenthal bekannt ist. Aus dem Landbuche scheint, daß es nur ein Dorf gewesen, weil es nicht als ein Oppidum bemerkt worden.“ Beckmann liefert im ersten Theil der historischen Beschreibung der Chur und Mark Brandenburg eine Abbildung der Stadtstelle und sagt dazu S. 446 → 447: „Im Oberbarnimschen Kreis, unweit Prötzel, einem dem Herrn Hofmarschall von Kameke zuständigen Rittersitz, 4 3/4 Meilen von Berlin, 1½ Meilen von Wriezen, in dem sogenannten Walde Blumenthal ist ein Nachlaß von Mauerwerk in einem solchen Umfang, daß man noch gewisse Abtheilungen und Straßen, mithin den Ueberrest eines Städtleins wahrnehmen kann. Die südliche Seite zählt 190 Rheinländische Ruthen, die nördliche 160 Ruthen, die westliche aber 180 und die östliche etwas 60 Rheinländische Ruthen. Man bemerke dabei vier Thore, eine Hauptstraße, welche auch noch den Weg nach Strausberg hält und sechs Quergassen; außerdem noch verschiedene Gruben als Ueberreste von Kellern oder Brunnen und vier ummauerte Plätze, welches vermuthlich der Nachlaß von einer Kirche, Rathhaus, Schloß, Kloster oder dergleichen sein mag. Auch liegen innerhalb noch drey runde Hügel, welche man zwar für Begräbnishügel auslegt, aber deswegen nicht wahrscheinlich, weil man nirgends dergleichen Begräbnis innerhalb einer Stadt antrift. Es wären denn, daß solche Hügel erst nach der Zerstörung wären aufgeworfen worden; in welchem Fall die Stadt ziemlich alt dürfte gewesen seyn. Anno 1689, im März, hat der um die Märkische Geschichte verdiente Bürgermeister aus Kremmen, Herr Grüvel, diese Gegend auch besehen, und damals die Mauern, welche aus lauter Feldsteinen bestanden, noch eines Mannes hoch über der Erde befunden. Nach seiner Ausmessung mit Schritten hat die nördliche Seite an der Straße 650 Schritte, die südliche hinterwärts 750, die Breite etwa 350 Schritte gehalten. Den Ort selbst nennen die benachbarten Einwohner Blumenthal, und soll der Wald davon den Namen haben. Jetziger Zeit ist alles mit starken Bäumen bewachsen und der Rest von Steinen hat sich gemindert. Es scheint also allerdings ein Städtchen gewesen zu sein, welches zwar in einer angenehmen Gegend gelegen, aber sowohl wegen des Gebüsches, als wegen Mangel des Wassers die Bequemlichkeiten nicht mag gehabt haben, welche sich sonst bei Städten finden: weshalb sie nach und nach den Ort verlassen und etwa Wrietzen oder Strausberg haben helfen mit aufbauen. Kann auch seyn, daß Krieg, Brand, oder Pest hier gewüthet und den Ort verwüstet, nach welchem man sich wegen obbemeldeter Dürftigkeiten nicht eben weiter gesehnet.“

Ich reiste im Jul. Des Jahres 1783, auf einer Reise von Berlin nach Freienwalde, ausdrücklich nach der Stadtstelle, und erinnere mich dieses Umwegs noch mit großem Vergnügen, ob ich gleich gern gestehe, daß zu meinem damaligen Vergnügen Umstände mehr als die Steine beigetragen haben. Der Anblick von Ruinen hat überall Reiz für mich, der Blumenthal ist ein dichter, aus Fichten, Eichen, Birken und Haselstauden bestehender Wald, sein Dunkel, verbunden mit der Vorstellung seiner Größe (er hält 12.000 Morgen und ist nach der Grimnitzer Heide, die 22.000 Morgen enthält, der größte Wald in der Mark Brandenburg), erweckt Schauder und die Gegend der Stadtstelle gleicht einer wahren Einöde. Ueberdies mußte ich, kurz vor dem Eintritt in den Wald ein heftiges Donnerwetter aushalten, aus welchem ein so starker Regenguß in die Bäume stürzte, wobei ein so heftiger Sturmwind wüthete, daß ich das Geprassel von Blitzen, die ich vor mir sich hinabschlängeln sah, kaum in dem Getöse zu unterscheiden vermochte. Reine Einbildungskraft war schon hier hochgespannt, und nun kam ich in den abgekühlten träufelnden finstern Wald, durch den von der Seite her die Donnerschläge, mit unzähligen Wiederhallen noch immer über mir hinrollten. Ein Heer von Vögeln umfang mich und eröffnete mein Herz der Empfindung noch mehr. Abends um sechs Uhr gieng ich von der dortigen Heidereuterei mit einem alten Mann nach der Stadtstelle, der Donner rollte fern; eine Art von dämmernder Feuchtigkeit fing an sich zu verbreiten, mein Begleiter erzählte mir auf dem Wege von Geistern, die auf der Stadtstelle erschienen, und von einem großen Schatz, der unter dem dortigen Markstein verborgen läge. Er hielt mich sogar für einen Schatzgräber, und als ich ihm diesen Irrthum benahm, für einen von den Mönchen, welche alle Jahre nach der Stadtstelle kommen, und untersuchen sollen, ob der Schatz noch unversehrt sey? Alles das machte mir die Besichtigung der Ruinen ungemein interessant.

Der Abriß zeigt, dünkt mich, daß Blumenthal ein Städtchen gewesen ist, und daß es im Landbuch nicht oppidum heißt, hindert nicht, es für ein Städtchen zu halten, da in dem Verzeichnis von mehrern Städten blos der Name ohne den Beisatz oppidum angetroffen wird. Wer ungefähr das Alter einer Eiche nach ihrer Stärke zu schätzen vermag, der könnte etwa die Zeit des Untergangs von Blumenthal bestimmen: denn ich habe nicht nur innerhalb der Mauern, sondern in den festen Steinreihen selbst Eichen, die drey Ellen im Durchmesser halten, gefunden. Hätten auch die innerhalb der Mauern stehenden dicken Eichen, schon vor der Zerstörung des Orts, als Zierden öffentlicher Plätze, da gestanden, was, aber unwahrscheinlich ist, so müssen doch die Eichen, die gleichsam aus der Mauer herausgewachsen sind, in dieser, erst nach der Zerstörung, ihr Daseyn erhalten haben. Ich gebrauchte eine volle Stunde, um alles Mauerwerk zu besichtigen, und fand es mit der Zeichnung im Beckmann ziemlich übereinstimmend. Die höchste Höhe ist 1 ½ Fuß. Meines Erachtens sind an Blumenthals gänzlichem Untergang, es mag nun durch kriegerische Verwüstung, oder auf andre Weise ein Ende genommen haben, die Armseligkeit und Dürre der benachbarten Gegend Schuld, denen ich auch die Ursache vom Anhören eines am Postwege von Strausberg nach Prötzel ehemals gelegenen Dorfes zuschreibe. Mein Begleiter sagte mir: man hätte vor einiger Zeit auf der Stadtstelle allerley Geräthschaften und auch Kaffeetrommeln ausgegraben; der Finder der letztern muß aber wohl hier so gesehen haben, wie der Erzähler sah, der mir auf den Markstein Abbildungen von Händen und Füßen zeigte, zu deren Entdeckung mein Auge zu schwach war. Dieser Markstein ist die größte Seltenheit für die Einwohner im Blumenthal, und da er sehr versteckt liegt, so bildet sich der viel ein, der ihn aufzufinden weis. Er ist ein längliches Viereck und hält neun Fuß in der Diagonallinie. Nah um ihn her erblickt man viele Spuren von Bemühungen nach Schätzen. Ein wirklicher Schatz ist hier der vortreffliche Wald, in welchem eine Menge Theer geschweelt, eine Menge Bauholz für Hamburg gefällt, und so viel von Faßbänden verfertigt wird, daß der Ertrag der letztern allein sich jährlich auf 2000 Rthlr. Belaufen soll.

Mörschel.


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