Spannende Theorien oder warum man nie einen Ghosthunter beauftragen sollte…
by Knut on Jun.11, 2010, under Kritisches Denken, News
Es ist ja bekannt, daß durch den Medienhype in Zeitung, Funk und Fernsehen sowie durch die Ausstrahlung der Pseudo-Dokus “Ghost Hunters” und “Ghost Hunters International” selbsternannte Geisterjägergruppen wie Unkraut aus dem Boden schiessen. Pflicht scheint es bei diesen Gruppen zu sein, nicht nur innerhalb von 4 Wochen einen eigenen Fernsehbeitrag zu ergattern, sondern auch das “profunde” (oder frei erfundenes?) Wissen auf einer schnellstmöglich einzurichtenden Homepage in der Welt zu verbreiten.
So zu lesen bei einer Gruppe im norddeutschen Raum unter der Überschrift “Electronic Voice Phenomenon”:
“(…)”Electronic Voice Phenomenon” [EVP] (…)heißen Stimmen, die auf ein Audiorekorder gebannt worden sind(…)”
Das ist doch gut zu wissen, denn bisher dachten wir, daß wir sogenannte Geister nur mithilfe einer Dimensionsfalle nach Venkmann mit Plasmastrahlern bannen könnten. Anscheinend kann man dies jedoch problemlos mit einem herkömmlichen Diktiergerät tun, denn
“Ohne Audiorekorder trauen wir uns nicht mehr auf Untersuchungen, da an einigen Orten eine Menge Stimmen herumschwirren”
erfährt dort der geneigte Leser weiter. Da fragt man sich direkt: Gilt für umherschwirrende Stimmen auch der Dopplereffekt? Und wenn nein, sind die Stimmen doch nur in meinem Kopf? Oder steckt da doch mehr dahinter?
“Nach unserer Auffassung, oder vielmehr meiner, senden elektromagnetische Felder in einer gewissen Frequenz Töne.”
Oh, da hat aber in Physik jemand wirklich gut aufgepasst. Auch ich höre öfters das Sirren der Hochspannungsleitungen, allerdings verstehe ich nicht, was die mir sagen wollen. Aber ernsthaft betrachtet können elektromagnetische Felder nie die Luft in Schwingungen versetzen, oder hab ich in Physik gefehlt?
Aber der Autor der Website geht der Sache ziemlich logisch auf den Grund:
“Durch bestimmte elektromagnetische Störungen, die es bei unbekannten Wesen geben soll, senden bestimmte Signale in einer Frequenz, die unser Ohr unterdrückt und die Audiorekorder aufzeichnen.”
Nun beginne ich zu begreifen. Unbekannte Wesen haben offensichtlich (Verdauungs-)Störungen, die bestimmten Signale sind dezente Blähungen, geruchslos da aus Ektoplasma und äussern sich mit ähnlichen Geräuschen auf Band, wie diese Theorie gerade im Raum verpufft.
Das wäre doch die Erklärung, denn der Autor hat nicht weit genug gedacht:
“Wie genau ein Wesen dies machen kann, weiß ich nicht.”
Wobei ich zugeben muß, daß ich nicht genau weiß, wie jemand nur so einen Unsinn zusammenschreiben kann. Offensichtlich sterben Leute vom Schlage eines Erich von Däniken nie aus.
“Unsere Gruppe vermutet, dass bestimmte Abläufe bei unintilligenten und intilligenten Spuk unterscheidet, da die Seele vermutlich ein Art Speichermedium ist.”
Man muß nicht sonderlich intelligent sein, um diesen Satz des Autoren trotz der schwachen Grammatik zu verstehen. Vorausgesetzt, es gibt die Seele wirklich, statten also Wissenschaftler demnächst den Körper (wo sitzt die Seele? Im Kopf? Im Herzen? Oder tiefer?) mit USB-Schnittstellen aus, so daß man problemlos ein Backup der Seele auf einen Speicherstick ziehen kann. Wie groß müsste der sein? Reicht ein üblicher 1-GB-Werbegeschenk-USB-Stick? Beim Autoren des Textes reichen vermutlich 128 MB? Oh, Entschuldigung, ich bemerke, daß ich gerade “Seele” mit “Intellekt” verwechsle. Mea culpa.
Wenn es allerdings so wäre, dann wüsste ich einen guten Ort für die USB-Buchse, der liegt da, wo sich der Autor seine Theorie hinstecken kann…
Weiter geht es in üblicher Grammatik am unteren Ende der Pisa-Skala:
“Tragische Ereignisse beim unintilligenten Spuk werden ohne Einwirkung unserer Anwesendheit wiederholt, Beispiel: Damals war an einer Stelle eine Treppe, heute ist dort ein Dach und dort wandert eine Gestalt trotzdem herrunten.”
Ich bin durchaus gespannt, die Architektur zu bewundern, wo eine Treppe durch ein Dach ersetzt wurde, das muss wirklich umwerfend aussehen. Und bei Dach kommt mir spontan in den Sinn, daß der Autor nicht alle auf der Pfanne haben kann.
“Wir vermuten, dass bestimmte Vorkommnisse gespeichert werden und wie eine Art Video abgespielt werden und dann von Personen wahrgenommen wird.”
Ist das eigentlich eine legale Kopie der Vorkommnisse? Was sagen denn GEZ und GEMA dazu? Ausserdem, was schwirrt denn nun rum? Die Stimme oder die Seele? Oder ist die Stimme die Seele? Das ist wohl dem Autoren selbst nicht klar. Aber dafür wird er abstruser:
“Der Spuk hierbei “denkt” und nimmt uns wahr, agiert selbstständig und reagiert auf uns. Hierzu haben wir bis jetzt keine Einfälle, aber wir suchen….”
Also ich fand Eure Einfälle bisher ganz amüsant, wenn auch fernab von jedem Stand der Forschung. Spuk ist nicht nur in den Köpfen, sondern offensichtlich auch schon im Netz. Und wenn der Spuk “denkt”, wie der Autor schreibt, und der Spuk und der Autor sich im selben Raum befinden, dann denkt in diesem Raum wenigstens einer…
Auch scheint Spuk etwas mit dem Perpetuum Mobile gemein zu haben:
“Wenn ein Geist sich manifestiert, benötigt dieser Energie aus seiner direkten Umgebung, um sich sichtbar zu machen oder sich zu bilden. Um diese Energie überhaupt hernehmen zu können, wird ein starkes Elektromagnetisches Feld produziert(…)”
Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Da der Geist Energie benötigt, verbrät er durch die Produktion eines elektromagnetischen Feldes erstmal Energie. Da erschliessen sich nebenbei auch neue Märkte für unsere Stromkonzerne.
Hat der Autor aber auch selbst gemerkt. Denn er schreibt:
“Wenn ein Geist ein Elektromagnetisches Feld produziert, benötigt dieser weitere Energie(…). Dafür bündelt dieser die Wärme, um eine Energiequelle zu haben(…). Dadurch fällt die Temperatur stark ab und das Gefühl der Kälte entsteht.”
Ich schätze mal, daß dann genügend gute Geister die Klimakatastrophe durch die Erderwärmung verhindern könnten?
“Durch dieses Energiebündel entsteht dann ein Geist. Da das Elektromagnetische Feld kurzfristig sehr hoch ist, zieht der Geist auch sehr kurzzeitig in der Nähe befindliche Gegenstände, die aus Metall bestehen, an. So öffnen sich z.B. dann Türen. Wenn dann plötzlich das Elektromagnetische Feld dadurch verändert wird, stößt der Geist das Material ab und z.B. die Tür schlägt zu.”
Hier können wir das wirklich gruselige am Spuk lesen, nämlich die Gedanken, die sich diverse Leute darüber machen. Dadurch, daß der Geist Energie benötigt, um zu manifestieren, entsteht der Geist oder die Katze beißt sich in den Schwanz. Also mir läuft es gerade kalt über den Rücken, Ihnen nicht?
Orte, an denen Türen aus Metall bestehen… Da fallen mir spontan Gefängnisse und andere geschlossene Abteilungen ein. Aber wenn sich dort die Türen automatisch über einen (sic!) elektromagnetischen Impuls der automatischen Schliessvorrichtung öffnen, kenne ich das unter Hofgang und nicht unter der Bezeichnung “Spuk”.
“Auf einem Tonbandgerät kann man dann die Welle empfangen, die der Geist aussendet und später verstehen.”
Aus genau diesem Grund waren früher auch Tonbandgeräte im Gefängnis verboten?
Mal ganz ehrlich: Wenn der Autor ein Autohändler wäre, würden Sie von diesem Herrn ein Auto kaufen? Also ich nicht. Meiner Vermutung nach hat der Autor als Kfz-Werkstatt diverse Toyotas in den USA getuned, so daß der Tritt auf die Bremse die Wagen beschleunigte.
So ein Webauftritt hat aber auch seinen Vorteil: Der Betroffene sieht schon, was er bekommt, wenn er sich für einen derartigen “Geisterjäger” entscheidet: Viel Lärm um Nichts, und mit Chance einen paranormalen Pfurz.
Den Artikel in seiner ganzen Einzigartigkeit finden Sie bei: http://prgkkkaki.pr.funpic.de/joomla_funpic_edition_1.5.15_full_german/index.php/theorien-und-vermutungen
1 Trackback or Pingback for this entry
January 22nd, 2011 on 13:13
[...] Gedanke liegt zumindest nahe, und deshalb erfahren wir auf der Webseite von “Paranormal Nord” einige gute Gründe, “warum man nie einen Ghosthunter beauftragen sollte”. Auf [...]